Katzenhaus
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Wenn ein Engel schlafen geht

22. 03. 2021

"Es gibt Momente im Leben,

da steht die Welt für einen Augenblick still,

und wenn sie sich dann weiterdreht,

ist nichts mehr wie es war."

(unbekannt)

 

Wenn ein Engel schlafen geht … ?

 

Meine lieben Tierpfleger, Leckerligeber, Gassigeher und all ihr mir vertrauten Personen,

 

ich – euer Arthus - sehe, dass ihr traurig seid, eure Tränen schwer verbergen könnt, weil für mich die Zeit gekommen war, meine letzte Reise anzutreten. Stolze 15 Jahre durfte ich werden. Mein Leben verlief mit vielen Höhen und Tiefen.

 

Wisst ihr noch, als ich als Junghund aus Ungarn zu euch kam, und voller Erwartung war, hier mein neues zu Hause zu finden? Ich war total aufgeregt, was mich erwarten wird. Und ja, ich fand auch ein zu Hause.

 

Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich mir mein Leben in einer eigenen Familie doch etwas anders vorgestellt hatte. Ich wurde in meinem neuen zu Hause Hofhund, musste also Haus und Hof bewachen. Das war ja ok. ABER ... Gassi gehen, so wie es für uns Hunde eigentlich schön ist …... so mit viel schnubbern, Artgenossen treffen usw., dass durfte ich nicht kennenlernen. Mein Gassi gehen bestand darin, dass ich ins Auto verfrachte und mit mir irgendwohin gefahren wurde, wo ich dann meine Geschäfte erledigen und etwas laufen konnte.

 

Leider habe ich in dieser ganzen Zeit bei meiner Familie – es waren 9 Jahre – nichts weiter kennengelernt, was mich sehr, sehr traurig machte. Als ich 10 Jahre war, entschied sich meine Familie mich wieder zurück ins Tierheim zu bringen, da sie mich anscheinend nicht mehr "händeln" konnten.

 

Irgendwie habe ich mich gefreut euch zu sehen und ihr habt sehr schnell festgestellt, dass mit mir was nicht stimmte, dass ich sehr verändert war. Ihr habt beobachtet, dass ich mich oft stocksteif machte und mich selbst anknurrte. Natürlich wurde der Ursache dafür schnell auf den Grund gegangen. Und was soll ich sagen, was dann rauskam, war schockierend.

 

In mir befanden sich mehrere Diabolos, welche mir wahrscheinlich so zu schaffen machten, dass ich mit meinem Fehlverhalten darauf reagierte. Wahrscheinlich wurde ich damals in Ungarn mehrmals angeschossen. Gott sei Dank konnten die Diabolos durch OP´s entfernt werden. Und nach meiner Genesung verbesserte sich auch mein Fehlverhalten Zusehens.

 

Den mir vertrauten Personen zeigte ich, wie sehr ich ihre Streicheleinheiten genoss – vor allem auf dem Kopf. Ich freute mich immer wie ein verspielter Welpe über euch, über den Köperkontakt mit euch. All das basierte aber auf jahrelangen Vertrauensaufbau, der sich aber mega gelohnt hat.

 

Ihr habt immer gesagt, dass ich für euch eine treue Seele war, der euch auch nach längerer Abwesenheit wiedererkannt hat. Ich habe auch bis zum Schluss zwischen vertrauten und fremden Personen unterscheiden können. Oh ja, denn Fremden habe ich nicht vertraut.

 

Ihr habt immer gesagt, dass ich ein Kämpfer war, dass ich so vielen Hürden getrotzt und gezeigt habe, was es heißt, nach all den Strapazen ein dennoch erfülltes Leben zu führen. Ich habe zwar keine eigene Familie mehr gefunden, aber ich sage euch, IHR wart meine Familie – bis zum Schluss.

 

Ich danke euch Tierpflegern, Leckerligebern, Gassigehern usw. so sehr, dass ihr immer an mich geglaubt habt, dass ihr mich versorgt habt, mir Streicheleinheiten, Liebe und so vieles mehr gegeben habt.

 

Ich weiß, dass euch und auch mich, meine Reise ins Regenbogenland unsagbar traurig macht, aber ich musste jetzt gehen. Meine Zeit war gekommen. Behaltet mich in Erinnerung und in euren Herzen.

 

Ich sage leise auf Wiedersehen – Euer Arthus ?